Zu Höherem berufen

11.00

Mein Weg in den Orden der Franziskaner in Schlesien  (2005)
262 Seiten, Paperback
ISBN: 3-00-016696-3

Artikelnummer: 3102 Kategorie:

Beschreibung

Leseproben:
„Ihr seid tot, tot und begraben, auf den Klosterfriedhöfen in Panewnik zum Beispiel oder in Rybnik, in Reih’ und Glied liegt ihr da, einer neben dem anderen, und die Grabsteine am Kopfende des Grabes, einer wie der andere, mit den Namen darauf und den Daten, Geburt und Tod, tot und begraben, in Rybnik oder Panewnik, dort woher ihr gekommen und wohin ihr wieder zurückgekehrt seid.
Gekommen, noch im Sommer 1945, gleich hinter den Russen her, hinter der Sowjetarmee, einmarschiert aus dem polnischen ins deutsche Oberschlesien, und wie die Powstańce damals 1921, so habt auch ihr den Annaberg gestürmt, das Kloster auf dem Annaberg, und da gab es keine Freikorps, die euch hätten aufhalten, die euch hätten wieder vertreiben können, also seid ihr weitermarschiert, immer hinter den Russen her, und Hand in Hand mit der polnischen Miliz und mit der UB, der Geheimpolizei, habt ihr ganz Schlesien besetzt, Hand in Hand mit den neuen Herrschern, den Wojewoden und Starosten, die aus allen Teilen Polens gekommen waren, voran der polnische Kardinal, der Primas Hlond, und der polnische Bischof Adamski von Kattowitz, habt ihr Schlesien zurückerobert, nach Jahrhunderten endlich wieder ganz Schlesien heimgeholt, wie ihr es nanntet, das Land der Piasten heimgeholt und eingefügt in das polnische Mutterland. Doch da waren die Schlesier in Schlesien, und die Schlesier waren Deutsche, von den Piasten aus den deutschen Ländern nach Schlesien geholt, vor Jahrhunderten schon, oder sie waren gemeinsam mit ihren Piasten Deutsche geworden, vor Jahrhunderten schon, doch ihr wolltet keine Deutschen in Schlesien, ihr wolltet ein polnisches Schlesien, also habt ihr sie vertrieben, also hat der polnische Kardinal die deutschen Bischöfe abgesetzt und vertrieben und an deren Stelle polnische Administratoren eingesetzt, und die haben dann die deutschen Pfarrer abgesetzt und vertrieben, und auch den deutschen Franziskanerprovinzial in Breslau-Carlowitz hat der Kardinal abgesetzt und vertrieben und einen aus euren Reihen zum Provinzial ernannt, der dann in den Franziskanerklöstern in ganz Schlesien euch die Leitung der Klöster übertragen hat.“

„…zu den Franziskanern, klar, wohin sonst, wenn es einem im Dorf zu eng wurde, wenn man aus dem Kuhstall hinauswollte, etwas höher hinauf, wohin sonst, damals. Sicher hast du sie – wie ich – auf dem Annaberg gesehen, in den braunen Kutten, mit der Kapuze auf dem Rücken und dem Strick um den Bauch, – auch du wohntest nicht weit vom Annaberg entfernt – wie sie die breiten Ärmel durch die Luft warfen, mit den Fäusten drohten und schrieen, wohin sonst, wenn nicht auf den Annaberg zu den Franziskanern, und dann mit donnernder Stimme von oben herab, irgendwann einmal.“

„Sehnsucht nach der Ferne, nach neuen Ufern, nach Abenteuern – mein spätes Erwachen aus dem Dornröschenkindheitsschlaf. Doch die Dornenhecken wuchsen weiterhin schützend um mich herum, die Klostermauern, heilig, mächtig, während die Klingel im Kopf schrillte, die Klingel, die uns trieb treppauf und treppab, die Gänge an den Mauern entlang. Nur der Himmel über dem Klosterhof war unendlich hoch und die Wolken, die darüber hinwegzogen, grenzenlos frei, und nachts die Sterne, die durch das Fenster in den Schlafsaal blinkten. Ich sehnte mich, aber nicht nur nach der Ferne, nach den unendlichen Weiten des Alls, ich sehnte mich auch nach Größe, nach Ruhm, nach Macht. Und da waren die Größten für mich gerade groß genug, um mich mit ihnen zu messen,…“

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