Die Ferienfrau

13.00

Veröffentlicht: 2014
193 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-00-046085-2

Artikelnummer: 3104 Kategorie:

Beschreibung

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine belanglose Geschichte: ein Lehrer fährt während der Sommerferien ans Meer, trifft dort eine Frau, mit der er einige „schöne“ Tage verbringt. Aus den gemeinsamen Erlebnissen dieser Tage entsteht der Wunsch beider, sich weiterhin zu treffen. Doch die Verwirklichung dieses Wunsches ist mit Hindernissen verbunden, deren Darstellung der Geschichte einen besonderen Reiz verleihen.
Wir befinden uns im Jahr 1973, der „Eiserne Vorhang“ trennt Europa in Ost und West. Er ist Deutscher, lebt in der Bundesrepublik Deutschland, im Westen also, sie ist Polin, eine gebürtige Warschauerin, die seit ihrer Jugendzeit in der schlesischen Stadt Breslau in Polen lebt, im Osten also. Von da aus bietet uns die Geschichte einen subtilen Einblick in die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Mitteleuropa in den Zeiten des kalten Krieges. Doch weit stärker als der „Eiserne Vorhang“ trennen die beiden Protagonisten ihre jeweils unterschiedlichen familiären und gesellschaftlichen Prägungen. So entwickelt sich vor unseren Augen eine spannungsreiche Geschichte von Glück und Lust und Trennungsschmerz, die kein billiges Happyend erwarten lässt.

Leseprobe:

Ihre Beziehung, welche Art von Beziehung war es überhaupt? Was waren das für Gefühle, die er empfand, wenn er sie sah, ihr in die Augen schaute, ihre Nähe spürte? Sicher war es Freude, Glück, Begeisterung. Doch er weigerte sich, dies Liebe zu nennen. Das Wort Liebe hatte für ihn etwas Schillerndes an sich, etwas nicht Definierbares. Sicher gab es die Liebe zwischen den Menschen, so liebten die Eltern ihre Kinder oder umgekehrt. Doch das Bekenntnis: ich liebe dich, ausgesprochen zwischen zwei erwachsenen Partnern, hatte für ihn etwas Absolutes, Endgültiges, vielleicht auch etwas Heiliges, dem die Aura einer transzendenten, kosmischen Verklärung anhaftete, etwas also, worüber man in Romanen lesen oder was man in Filmen erleben konnte. Für ihn gab es nichts Endgültiges, Absolutes. Sicher sprengte auch das Glückserlebnis, das er in Teresas Gegenwart erfuhr, die Grenzen von Raum und Zeit, doch es enthielt nicht – so sah er es jedenfalls – das Moment der Verpflichtung, der Verantwortung, der Bindung für immer und ewig. Es war ein Gefühl der Freiheit, das immer auch das Moment der Flüchtigkeit, der Unverbindlichkeit enthielt und in dessen Hintergrund der Schatten der Trennung und des Trennungsschmerzes lauerten.
Nicht nur er, auch Teresa hatte dieses Wort gemieden, es gab zwischen ihnen keine Liebesbekenntnisse, aber auch keine Zukunftspläne. Es gab für sie nur das Glück und die Lust des Beisammenseins und schließlich den Schmerz der Trennung.

Zusätzliche Information

Gewicht 0.350 kg
Größe 21 × 15 × 1.5 cm

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