Neuerscheinung – Die Ferienfrau

Die Ferienfrau

Die Ferienfrau

Mit der Novelle „Die Ferienfrau“ veröffentlicht Gottfried Porada sein viertes Buch.

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine belanglose Geschichte: ein Lehrer fährt während der Sommerferien ans Meer, trifft dort eine Frau, mit der er einige „schöne“ Tage verbringt. Aus den gemeinsamen Erlebnissen dieser Tage entsteht der Wunsch beider, sich weiterhin zu treffen. Doch die Verwirklichung dieses Wunsches ist mit Hindernissen verbunden, deren Darstellung der Geschichte einen besonderen Reiz verleihen.
Wir befinden uns im Jahr 1973, der „Eiserne Vorhang“ trennt Europa in Ost und West. Er ist Deutscher, lebt in der Bundesrepublik Deutschland, im Westen also, sie ist Polin, eine gebürtige Warschauerin, die seit ihrer Jugendzeit in der schlesischen Stadt Breslau in Polen lebt, im Osten also. Von da aus bietet uns die Geschichte einen subtilen Einblick in die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Mitteleuropa in den Zeiten des kalten Krieges. Doch weit stärker als der „Eiserne Vorhang“ trennen die beiden Protagonisten ihre jeweils unterschiedlichen familiären und gesellschaftlichen Prägungen. So entwickelt sich vor unseren Augen eine spannungsreiche Geschichte von Glück und Lust und Trennungsschmerz, die kein billiges Happyend erwarten lässt.


Der Autor

porada_bildGottfried Porada, geboren 1933 in Gogolin, einem Ort im deutschen Teil Oberschlesiens. Hier verbringt er seine Kindheit, hier überlebt er den Krieg, den Einmarsch der Sowjetarmee und die Übernahme der Verwaltung durch die Polen.
Da seine Mutter sich entscheidet, in der Heimat zu bleiben, lernt er Polnisch, besucht das private polnische Gymnasium der Franziskaner in Neisse und tritt in deren Orden ein. Nach Beendigung des Philosophie- und Theologiestudiums in Breslau und Glatz lässt er sich zum Priester weihen und arbeitet anschließend an verschiedenen Orten Schlesiens als Ordensgeistlicher in der Seelsorge.
1963 übersiedelt er in die Bundesrepublik Deutschland, nimmt in Münster ein weiteres Studium für das Lehramt am Gymnasium auf und legt das Staatsexamen ab. Danach verlässt er den Orden, lässt sich laisieren und tritt in den Schuldienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein, wo er an den Gymnasien in Rüthen, Gelsenkirchen-Buer und Schwerte unterrichtet. Er heiratet und bekommet einen Sohn. Nach seiner Pensionierung 1996 übersiedelt er gemeinsam mit seiner Familie nach Bayreuth, wo er zur Zeit lebt.


Die Bücher von Gottfried Porada

Gottfried Porada - Frieden und Krieg - Buch 1 (2002)

Gottfried Porada – Frieden und Krieg – Buch 1 (2002)

Gottfried Porada - Zu höherem Berufen - Buch 2 (2005)

Gottfried Porada – Zu höherem Berufen – Buch 2 (2005)

Gottfried Porada - Die Wahrheit der Windmühlen - Buch 3 (2009)

Gottfried Porada – Die Wahrheit der Windmühlen – Buch 3 (2009)


Rezensionen:

Helga Schultheiß in: Nürnberger Zeitung, Juli 2002

Nachdem Gottfried Porada als Junge Adolf Hitlers Krieg von seinem Beginn bis zu seinem Ende gesehen hatte, nachdem er als Heranwachsender die polnische Sprache neu erlernt und das Abitur absolviert hatte, nachdem er als junger Mann dem Franziskanerorden beigetreten war und Theologie und Philosophie studiert hatte, und nachdem er ein zweites Mal studiert hatte, diesmal Germanistik und noch einmal Theologie, verabschiedete er sich von seinem Orden, wurde Deutschlehrer, heiratete und wurde Vater eines Sohnes. Dann nicht lange nach der Geburt seines Sohnes, schrieb er die erste Seite eines Buches, an dem er fünfzehn Jahre immer wieder feilte, bis es fertig war. Gottfried Porada betitelte sein Buch “Frieden und Krieg” in wohl wissender Anspielung auf Tolstois “Krieg und Frieden”. Er widmete den Text seinem Sohn als Erinnerung an eine Kindheit, die im Frieden begann und im Krieg endete. Porada erzählt die Geschichte seiner ersten dreizehn Lebensjahre. Dabei erwächst Zeile für Zeile das eindrucksvolle Bildnis einer versunkenen Welt, deren geographisch korrekte Ortung uns Nachkriegsgeborenen bereits im Atlas Schwierigkeiten bereitet. Schlesien? Herrschaftszeiten, wo genau auf der europäischen Landkarte ist das eigentlich realiter zu suchen?…. Und dann Gogolin, das Sechstausend-Seelen-Dörfchen , an der Bahnstrecke von Oppeln nach Beuthen gelegen, wo der Autor aufwuchs und das mit seinen Menschen und Straßenzügen so haarfein und eindringlich beschrieben ist? Doch wäre an dieser Stelle über solchen Nachhilfeunterricht, so nötig er auch ist, nicht zu reden, wenn dieses Buch nicht andere, aus der Masse der gewöhnlichen Erinnerungen herausragende, Qualitäten vorzuweisen hätte. Gottfried Porada hat einen überaus bemerkenswerten Roman geschrieben, der den Vergleich mit Werken renommierter Autoren nicht zu scheuen braucht. Dieser Mann kann erzählen, weit über das bloße schriftliche Erinnern und Festhalten hinaus. In zwanzig Kapiteln erzählt der Autor lakonisch unaufgeregt die menschlichen und unmenschlichen Begegnungen des Kindes Gottfried mit seiner zerrissenen Zeit. Und dass dabei auch die allzu menschlichen, trotz aller Schrecken mindestens ebenso komisch wie tragischen Begebenheiten dem scharfen Kindesblick nicht entgehen, gerade daraus speist sich der poetische Reiz dieser so ungezierten Erinnerungen.

Ixlibris, Literaturzeitschrift für Deutschland, Juni 2002

Gottfried Porada erzählt in einer einfachen und dennoch starken Sprache, klar und ohne Schnörkel. Das Leben ist interessant genug, da braucht es keinen zusätzlichen Wortschmuck…. Die Erinnerungen, die Geschichten, die Geschichte sind, die liebevoll gezeichneten Figuren sind be-merkenswert im wahrsten Sinne des Wortes.

Nordbayrischer Kurier, 28. 02. 06 (Kulturteil)

Deutsches Klosterleben in Polen

Ausschnitt:
… Spätestens hier merken wir, dass dies Buch nicht mit „Wahrheiten“ konfrontiert, sondern dass es ein Leben in all seinen Zweifeln und Verzweiflungen reflektiert. Der Leser wird Unmittelbar hineingezogen in diese politisch und persönlich so aufregenden Jahre. Aus einem Vorgänger-Buch, das Poradas Kindheit in Oberschlesien samt Frieden, Krieg und Kriegsende schildert, sind wir eine schlichte, klare Sprache gewohnt. Die hat Porada im zweiten Band sichtlich weiter entwickelt zu einer manchmal Atem beraubenden Verknappung. Zuweilen wähnen wir uns inmitten eines fast expressionistischen Prosawerks.
Es transportiert nur noch vordergründig alltägliches Leben; meist geht es um Gefühle, Gedanken, geschichtliche, religiöse und philosophische Querverbindungen.
Zu diesem hohen literarischen Anspruch kontrastieren eigentümlich die spartanischen Taschenbuchdeckel über nur unzureichend lektoriertem und darum alles andere als druckfehlerfreiem Text. Wir sind aber dankbar, dass es ihn gibt – er vermittelte mir viele wunderbare Stunden nachdenklichen Lesens und Vorlesens.